Erfindung der Brille

(https://de.wikipedia.org/wiki/Brille)

Die als Sehhilfe für beide Augen auf die Nase gesetzte Lesebrille wurde Ende des 13. Jahrhunderts in Norditalien, möglicherweise in der Toskana, erfunden. Wichtige Vorarbeiten leistete Roger Bacon, der in seinem 1267 erschienenen Werk Opus maius wesentliche Erkenntnisse zur physikalischen Optik lieferte und glaubte, Kugelsegmente aus Glas seien vorzügliche Hilfsmittel für Schwachsichtige.[12][13] Salvino degli Armati galt lange als Erfinder der Brille, bis 1920 bekannt wurde, dass er selbst eine Erfindung ist. Auch der Arzt Petrus Hispanus, ab 1276 Papst Johannes XXI., wird heute als Erfinder in Betracht gezogen.[14][15][16] Letztlich ist bis heute nicht geklärt, wer die Brille (zwischen 1270 und 1290) erfunden hat. Der Dominikaner Giordano da Rivalto erwähnte die erst wenige Jahre zurückliegende Erfindung in einem Predigtmanuskript aus dem Jahr 1305 und teilte mit, dass der in Pisa tätige Dominikaner Alessandro della Spina um 1285[17] das Schleifen von Brillengläsern (ocularia) beherrscht hätte,[4] aber auch mitgeteilt habe, dass der eigentliche Erfinder der Brille nicht genannt werden wolle.[18]

Um 1300 war die Brillenherstellung in Murano bereits etabliert. So war etwa die Verwendung von unreinem Glas untersagt.[18] Der Große Rat von Venedig nannte 1300, 1301 und 1319 lapides ad legendum („Lesesteine“) sowie vitreos ab oculis ad legendum („Lesegläser“). Arnaldus de Villanova erwähnt um 1310 in seinem Weinbuch in einem augenheilkundlichen Abschnitt das legere sine specillis („Lesen ohne Brille“).[19]

Die ersten Brillen, die in Europa vor 1300 aufkamen, hatten noch keine Bügel und besaßen konvex geschliffene Linsen, die sie nur für weit- oder alterssichtige Menschen geeignet machten.

Weiterentwicklung

(https://de.wikipedia.org/wiki/Brille)

Die Möglichkeit, eine Kurzsichtigkeit mittels konkaven bzw. bikonkaven Zerstreuungslinsen zu korrigieren, ist seit dem 16. Jahrhundert bekannt, aber nicht vor 1525[28] bezeugt.[29] Ein weiterer Schritt ist die Entwicklung der Bifokalbrille, als deren Erfinder Benjamin Franklin gilt. Ihm war es lästig, ständig seine Fernbrille gegen die Lesebrille auszutauschen. Um 1784 kam er auf die Idee, für das jeweils rechte und linke Auge zwei Brillenlinsen mit entsprechender optischer Wirkung zu montieren, eine Konstruktion, die anfangs Franklinglas genannt wurde. Das erste Patent zur Idee eines Gleitsichtglases wurde 1909 dem Amerikaner Henry Orford zuerkannt.[30]

Die ersten Korrektionsgläser für einen Astigmatismus erfand 1825 der Britische Astronom George Airy.[31]

Auch die Entwicklung der Brillenfassungen machte Fortschritte. Um 1727 warb der englische Optiker Edward Scarlett mit einer Schläfenbrille mit seitlichen Bügel, die bis zur Schläfe reichten. Es folgte 1752 die Knick-Stangenbrille, mit horizontal doppelt angelenkten Seitenteilen, von James Ayscough, der sie als seine Erfindung bewarb. Hier reichte erstmals der Bügel (ein Steckbügel) über das Ohr (oben aufliegend) und hatte ihren Halt am Hinterkopf (Krone). Diese Brille war die erste der Gattung Ohrenbrillen. Nicht allzu lange später waren die horizontal abknickbaren hinteren Bügelstangen dann mit einem vertikalen Scharnier hinter das Ohr abwinkelbar. Diese Variante war dann bis Ende des 19. Jahrhunderts gebräuchlich. Parallel dazu gab es noch die Steckbügel-Variante ohne Mittelscharnier, die auch gerne als Damenbrille bezeichnet wurde. Um 1880 folgte der Gespinstbügel (auch Reiterbügel genannt) und erst Anfang des 20. Jahrhunderts kam der heute noch gebräuchliche Golfbügel mit Cellhorn-Überzug. Neben den Bügelbrillen waren bügellose Alternativen in Form von Lorgnon, Monokel oder Zwicker teils bis ins 20. Jahrhundert weiterhin gefragt. 

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